Räume im Wandel
Es gibt Kunden, für die ist Vitra Möbellieferant, für andere sind wir Full-Service-Dienstleister bei Beratung, Planung und Realisierung von Arbeits- und Lernräumen und öffentlichen Bereichen. Um daraus Lebensräume zu machen, spielen neben Faktoren wie Raumgliederung, Einrichtung und Technik auch soziologische und psychologische Aspekte eine Rolle.
Keine Rolle spielt hingegen die Grösse: Vitra realisiert Projekte vom kleinen Start-up-Büro bis zur Büroumgebung für Tausende von Mitarbeitenden. Die folgenden Projekte zeigen Lösungen, die den Umgang mit Wandel vereinfachen und zugleich neue Formen des Arbeitens und Lernens ermöglichen.
Schule für Gestaltung Bern und Biel, Schweiz
Die 1971 gegründete Schule für Gestaltung Bern und Biel (SfG BB) bildet an ihren zwei Standorten rund 3500 Schülerinnen, Studierende und Kursteilnehmer in gestalterisch-künstlerischen, -technischen und -handwerklichen Berufen und Weiterbildungen aus. Das Hauptgebäude in Bern wird nun umfassend saniert, weshalb die Schule für 10 Jahre ein Provisorium im Bernapark, einem ehemaligen Industrieareal, bezogen hat. Den Umzug wollte die SfG nutzen, um die Schule und Bildung neu zu denken.
Vitra wurde hinzugezogen, um beim Transfer der konzeptionellen Leitgedanken der Lehr- und Unterrichtsräume in die Arbeitsbereiche zu unterstützen und die Veränderung zu begleiten. Im Unterricht musste neue Flexibilität geschaffen und diese in die Arbeitsräume der Lehrpersonen übertragen werden. Es sollte der fachübergreifende Austausch gefördert und mehr Schnittstellen zwischen Lernenden, Studierenden, Lehrpersonen und Mitarbeitenden geschaffen werden. Und: Genügend Stauraum musste her, denn Arbeit und Wissen sollte sichtbar gemacht werden.
Arbeitsplätze: 650
Geplante Fläche: 1161 m2 Neubau
Innenarchitekt: Vitra Consulting & Planning Studio
Projektfertigstellung: August 2024
DHBW Villingen-Schwenningen, Deutschland

Prof.in Dr.in jur. Rahel Gugel erklärt im Interview, wie die Duale Hochschule Baden-Württemberg Villingen-Schwenningen (DHBW VS) auf ihrem Campus innovative Lehr- und Lernformate ermöglicht und ein inspirierendes Umfeld für Lehre und Forschung geschaffen hat.
Wofür steht die DHBW VS?
Die DHBW VS ist eine staatliche, praxisintegrierende Hochschule. Sie bietet ein dreijähriges Studium in den Bereichen Wirtschaft und Sozialwesen an, das aus wechselnden Theoriephasen an der Hochschule und aus Praxisphasen in Partnerunternehmen besteht. So erwerben die Studierenden neben fachlichem und methodischem Wissen auch praktisches Erfahrungswissen und die im Berufsalltag erforderliche Handlungs- und Sozialkompetenz. Theorie- und Praxisinhalte sind eng aufeinander abgestimmt und beziehen aktuelle Entwicklungen in Wirtschaft, Technik und Gesellschaft in die Lehrpläne mit ein.
Verändern sich die Lehr- und Lernformen? Und wenn ja: Was sind die Auswirkungen auf die Raumplanung?
Gegenwärtig gibt es deutliche Veränderungen: Weg von rein wissensvermittelnden, frontalen Formaten hin zu stärker kompetenzorientiertem, aktivierendem und kollaborativem Lernen. Studierende arbeiten häufiger projektbasiert, interdisziplinär, problemorientiert und in wechselnden Teams – oft unterstützt durch digitale Tools und hybride Lehrsettings. Das hat sehr direkte Auswirkungen auf die Raumplanung: Klassische Hörsäle reichen nicht mehr aus. Stattdessen braucht es flexible, anpassbare Lernräume, die unterschiedliche Arbeitsformen ermöglichen: Gruppenarbeit, Präsentation, konzentriertes individuelles Arbeiten, kreative Prozesse, informellen Austausch. Räume werden damit zu einem aktiven Teil der Didaktik, sie unterstützen nicht nur Lehre, sondern fördern gezielt «Future Skills» wie Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken, Selbstorganisation und digitale Kompetenz. Die Veränderung von Lehr- und Lernformen führt zu einem Paradigmenwechsel in der Raumgestaltung: Gefragt sind jetzt vielseitige Raumlandschaften, die Lernen als aktiven, sozialen und situativen Prozess ermöglichen.
Was war der Auslöser dafür, die Räume der DHBW VS zu überdenken?
Unser Ziel war es, den Studienbetrieb an einem zentral gelegenen Hauptcampus zu konzentrieren, mit kurzen Wegen, zeitgemässer Infrastruktur und besten Voraussetzungen für die Zusammenarbeit von Fakultäten, Studierenden und Praxispartnern. Damit schaffen wir eine bessere räumliche Verbindung, ideale Bedingungen für interdisziplinären Austausch und gemeinsame Projekte sowie neue Möglichkeiten, Wissen zu vernetzen.
Welche Erkenntnisse und Überlegungen sind während der gemeinsamen Planungsphase in die Raumkonzeption eingeflossen?
Ausgangspunkt waren zum einen die Erfahrungen aus der bisherigen Nutzung: Viele bestehende Räume sind auf klassische Seminare oder Vorlesungen ausgelegt. Sie stossen dort an Grenzen, wo Lehre interaktiv, kollaborativ und projektorientiert stattfindet. Und es wurde deutlich, dass neue Formate – wie etwa problem- und fallbasiertes Lernen, Teamarbeit, Reflexions- und Werkstattformate oder hybride Lehrsettings – räumlich gezielter unterstützt werden müssen.
Zum anderen hat die Überarbeitung des Curriculums, also des gesamten Studienprogramms, der Fakultät «Sozialwesen» im Zuge ihrer Reakkreditierung eine wichtige Rolle gespielt. Das neue Raumkonzept wurde bewusst so entwickelt, dass es die curricularen Ziele nicht nur abbildet, sondern aktiv ermöglicht: Räume sollten stärker kompetenzorientiertes Lernen, flexible Lehrformate und die Förderung von «Future Skills» unterstützen.
Welchen Mehrwert erwarten Sie sich von Scout, Reset und Dancing Wall für den künftigen Arbeits- und Lernalltag?
Die Verwendung der mobilen und platzsparenden Produkte Scout und Reset soll dynamisches, einfaches und schnelles Umbauen der Einrichtung für verschiedenste Lehr- und Lern-Settings wie z. B. klassische Vorlesungen, Klausuren, Gruppenarbeiten, Workshops oder Planspiele ermöglichen.
Was bedeutet es für Sie und die Studierenden, Teil eines Entwicklungsprozesses zu sein, bei dem offene Raumstrukturen gemeinsam erprobt und weitergedacht werden?
Für uns bedeutet es vor allem, dass Lernräume nicht «fertig» geplant und dann einfach genutzt werden, sondern dass wir sie als entwicklungsfähige Lernumgebung verstehen. Teil dieses Prozesses zu sein heisst, Verantwortung mitzugestalten: Wir können gemeinsam ausprobieren, was in der Praxis funktioniert, wo Räume Lernprozesse wirklich unterstützen, und wo nachjustiert werden muss. Für Studierende ist das besonders wertvoll, weil sie nicht nur Nutzer sind, sondern als Expertinnen ihrer eigenen Lernrealität ernst genommen werden. Und für die Hochschule ist es eine Chance, eine neue Lernkultur nicht nur zu formulieren, sondern konkret im Alltag zu erproben.
Arbeitsplätze: 70
Geplante Fläche: 210 m2
Innenarchitekt: Vitra Consulting & Planning Studio
Projektfertigstellung: März 2026
JuveCampus City Zürich, Schweiz


Juventus ist eine Bildungsinstitution in Zürich. Am neuen Standort JuveCampus City wollte man in einem bestehenden Gebäude eine Lern- und Arbeitsumgebung für unterschiedliche didaktische Anforderungen schaffen.
"Uns war es wichtig, entwicklungsfähige Lernräume zu schaffen, die sich an wandelnde pädagogische Anforderungen anpassen lassen. So fördern die neuen, vielseitigen Lernlandschaften am JuveCampus City Austausch, Flexibilität und unterschiedliche Lernformen und lassen Raum für zukünftige Veränderungen."
Bea Knöpfel, Co-Founder und Teilhaberin bei dopo Innenarchitektur
Arbeitsplätze: ca. 35 Geplante Flächen: → Büroräume: ca. 470 m2 → Schulräume: ca. 1600 m2 Innenarchitekt: dopo Innenarchitektur Projektfertigstellung: October 2025
Laufen AG Basel, Schweiz
Der Badkeramikhersteller Laufen hat für die Einrichtung der neuen Büros am Standort Basel das neue Tischsystem Scout von Konstantin Grcic eingesetzt. Vor allem aus funktionalen Gründen – aber nicht nur.
"Mit dem Umzug unseres Teams nach Basel wollten wir näher am Alltag des Corporate Marketings sein: mitten im städtischen Kontext, näher am Puls und näher beieinander. Für uns war klar, dass dieser Ort, der Raum, nicht statisch sein darf, sondern sich genauso bewegen muss wie unsere Projekte und Prioritäten. Die Herausforderung bestand also darin, auf begrenzter Fläche ein Umfeld zu gestalten, das Struktur bietet und gleichzeitig offen genug bleibt, um Verschiedenes zuzulassen. Rückzug, Austausch, Tempo, Ruhe. So ist ein Büro entstanden, das auf gegebenem Raum maximale Wirkung erzielt, ein Ort, der nie «fertig» sein muss."
Alain Reymond, Design Director, Laufen
Arbeitsplätze: 18–20
Geplante Fläche: 290 m2
Fachplanung: Vitra Consulting & Planning Studio
Projektfertigstellung: April 2026
